Wirtschaftsprüfung

IFRS-Anpassungen mit erhöhtem Prüfungsrisiko: Diese Bilanzierungsbereiche stehen bei Corporate-Tax-Audits in den VAE besonders im Fokus

Mit der Einführung der Corporate Tax in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat sich die Bedeutung einer korrekten Finanzberichterstattung deutlich erhöht. Da die steuerliche Bemessungsgrundlage grundsätzlich auf dem nach den

International Financial Reporting Standards (IFRS)

ermittelten Jahresergebnis basiert, rücken bestimmte Bilanzierungsanpassungen zunehmend in den Fokus der Steuerbehörden.

Bereits kleinere Fehler oder unzureichend dokumentierte IFRS-Anpassungen können dazu führen, dass Unternehmen im Rahmen einer

Corporate-Tax-Prüfung

genauer untersucht werden. Eine transparente Dokumentation und eine nachvollziehbare Herleitung aller Bilanzierungsentscheidungen sind daher wichtiger denn je.

Warum sind IFRS-Anpassungen für die Corporate Tax so wichtig?

Die Berechnung der Körperschaftsteuer beginnt in den VAE grundsätzlich mit dem handelsrechtlichen Ergebnis nach IFRS.

Anschließend werden die erforderlichen steuerlichen Anpassungen vorgenommen.

Daraus ergibt sich eine enge Verbindung zwischen:

  • Finanzberichterstattung

  • Rechnungslegung nach IFRS

  • Corporate Tax Compliance

  • steuerlicher Gewinnermittlung

Fehler in der Rechnungslegung wirken sich daher häufig unmittelbar auf die steuerliche Bemessungsgrundlage aus und erhöhen das Risiko einer detaillierten Steuerprüfung.

Welche IFRS-Bereiche werden besonders häufig geprüft?

Bestimmte Bilanzierungsbereiche beeinflussen den ausgewiesenen Gewinn besonders stark und stehen deshalb regelmäßig im Mittelpunkt von Corporate-Tax-Audits.

Dazu gehören insbesondere:

  • Leasingbilanzierung nach IFRS 16

  • Umsatzrealisierung nach IFRS 15

  • Wertberichtigungen nach IFRS 9

  • Transaktionen mit verbundenen Unternehmen

  • Wertminderungen von Vermögenswerten

  • Abgrenzung von Erträgen

  • fehlerhafte Klassifizierung von Aufwendungen

Je komplexer die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens ist, desto wichtiger wird eine lückenlose Dokumentation sämtlicher Bilanzierungsentscheidungen.

IFRS 16: Leasingbilanzierung als häufiger Prüfungsschwerpunkt

Die Einführung von IFRS 16 hat die Bilanzierung von Leasingverhältnissen grundlegend verändert.

Unternehmen müssen heute zahlreiche Leasingverhältnisse in der Bilanz erfassen und unter anderem folgende Positionen korrekt berechnen:

  • Nutzungsrechte (Right-of-Use Assets)

  • Leasingverbindlichkeiten

  • Abschreibungen

  • Zinsaufwendungen

Fehler bei diesen Berechnungen können nicht nur den Jahresabschluss beeinflussen, sondern auch die steuerliche Gewinnermittlung verändern.

Besonders kritisch sind:

  • unvollständige Leasingverträge

  • fehlerhafte Laufzeiten

  • falsche Diskontierung

  • unzureichende Dokumentation der Berechnungen

Gerade Unternehmen mit mehreren Standorten oder umfangreichen Miet- und Leasingverträgen sollten ihre IFRS-16-Prozesse regelmäßig überprüfen.

IFRS 15: Umsatzrealisierung richtig anwenden

Auch die Umsatzrealisierung zählt zu den sensibelsten Bereichen einer Steuerprüfung.

Nach IFRS 15 dürfen Umsätze erst dann erfasst werden, wenn die vertraglichen Leistungsverpflichtungen erfüllt wurden.

Besonders häufig entstehen Fehler durch:

  • zu frühe Umsatzrealisierung

  • verspätete Erfassung von Umsätzen

  • falsche Behandlung von Anzahlungen

  • unzureichende Berücksichtigung vertraglicher Verpflichtungen

Vor allem Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistungen, Bauwesen, Software oder Abonnementmodelle sollten ihre Prozesse regelmäßig überprüfen.

IFRS 9: Wertberichtigungen und Expected Credit Loss

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Bildung von Wertberichtigungen auf Forderungen nach

IFRS 9 Unternehmen müssen erwartete Kreditausfälle realistisch schätzen und nachvollziehbar dokumentieren.

Dazu gehören unter anderem:

  • Altersstrukturanalysen offener Forderungen

  • Zahlungshistorien von Kunden

  • Bonitätsbewertungen

  • Berechnungen erwarteter Kreditausfälle

Ungewöhnlich hohe oder nicht ausreichend belegte Wertberichtigungen können im Rahmen einer Corporate-Tax-Prüfung zu Rückfragen führen.

Transaktionen mit verbundenen Unternehmen

Geschäftsvorfälle zwischen verbundenen Unternehmen stehen ebenfalls regelmäßig im Fokus der Steuerbehörden.

Besonders geprüft werden:

  • konzerninterne Leistungsbeziehungen

  • Verrechnungspreise

  • konzerninterne Darlehen

  • Management Fees

  • Lizenzgebühren

Unternehmen sollten sicherstellen, dass sämtliche Transaktionen marktüblich ausgestaltet und vollständig dokumentiert sind.

Warum eine lückenlose Dokumentation entscheidend ist

Selbst wenn die Bilanzierung fachlich korrekt erfolgt ist, können fehlende Nachweise das Prüfungsrisiko erhöhen.

Unternehmen sollten deshalb insbesondere dokumentieren:

  • Bilanzierungsentscheidungen

  • Bewertungsmethoden

  • Berechnungsgrundlagen

  • Vertragsunterlagen

  • interne Freigaben

  • steuerliche Überleitungsrechnungen

Eine vollständige Dokumentation erleichtert sowohl die Abschlussprüfung als auch spätere Corporate-Tax-Audits erheblich.

Wie können Unternehmen ihr Prüfungsrisiko reduzieren?

Ein strukturiertes Financial-Governance-System trägt wesentlich dazu bei, steuerliche Risiken zu minimieren.

Empfehlenswert sind insbesondere:

  • regelmäßige IFRS-Reviews

  • interne Qualitätskontrollen der Finanzberichterstattung

  • laufende Abstimmung zwischen Rechnungswesen und Steuerabteilung

  • Aktualisierung von Bilanzierungsrichtlinien

  • frühzeitige Analyse komplexer Geschäftsvorfälle

  • regelmäßige interne Compliance-Prüfungen

Je früher potenzielle Schwachstellen erkannt werden, desto geringer ist das Risiko späterer Beanstandungen.

Warum professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Die Verbindung zwischen IFRS-Rechnungslegung und Corporate Tax wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten zunehmend komplexer.

Professionelle Beratung unterstützt Unternehmen dabei:

  • IFRS-Anpassungen korrekt zu bewerten

  • steuerliche Auswirkungen frühzeitig zu erkennen

  • Bilanzierungsprozesse zu optimieren

  • Dokumentationsanforderungen vollständig zu erfüllen

  • sich gezielt auf Corporate-Tax-Audits vorzubereiten

Dadurch lassen sich sowohl regulatorische Risiken als auch potenzielle finanzielle Belastungen deutlich reduzieren.

Fazit

IFRS-Anpassungen spielen eine zentrale Rolle bei der steuerlichen Gewinnermittlung und gehören inzwischen zu den wichtigsten Prüfungsschwerpunkten im Rahmen von Corporate-Tax-Audits in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Unternehmen sollten insbesondere die Bereiche Leasingbilanzierung, Umsatzrealisierung, Wertberichtigungen und konzerninterne Transaktionen sorgfältig dokumentieren und regelmäßig überprüfen. Eine transparente Finanzberichterstattung sowie ein professionelles Zusammenspiel von Rechnungswesen und Steuerfunktion bilden die Grundlage für eine nachhaltige Corporate-Tax-Compliance und reduzieren das Risiko zukünftiger Steuerprüfungen erheblich.

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