Wirtschaftsprüfung

IFRS-Gewinn vs. steuerpflichtiger Gewinn: Warum der Unterschied bei Corporate-Tax-Prüfungen in den VAE entscheidend ist

Mit der Einführung der UAE Corporate Tax hat sich der Fokus vieler Unternehmen deutlich verändert. Während früher in erster Linie die Erstellung ordnungsgemäßer Jahresabschlüsse im Mittelpunkt stand, rückt heute die korrekte Ermittlung des

steuerpflichtigen Gewinns (Taxable Profit)

zunehmend in den Fokus von Steuerprüfungen.

Ein häufiger Irrtum besteht darin, anzunehmen, dass der nach den

International Financial Reporting Standards (IFRS)

ausgewiesene Jahresgewinn automatisch auch die Grundlage für die Körperschaftsteuer bildet. Tatsächlich unterscheiden sich

IFRS-Gewinn und steuerpflichtiger Gewinn

häufig erheblich – und genau diese Abweichungen werden im Rahmen von Corporate-Tax-Audits besonders genau geprüft.

Was ist der IFRS-Gewinn?

Der IFRS-Gewinn ist das Ergebnis eines Unternehmens, das nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) ermittelt wird.

Ziel der IFRS-Rechnungslegung ist es, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der finanziellen Lage und Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu vermitteln.

Der IFRS-Gewinn dient unter anderem als Grundlage für:

  • Jahresabschlüsse

  • Investorenberichte

  • Finanzanalysen

  • Kreditentscheidungen

  • Management Reporting

Er wurde jedoch nicht speziell für steuerliche Zwecke entwickelt.

Was ist der steuerpflichtige Gewinn?

Der steuerpflichtige Gewinn ist die Bemessungsgrundlage, auf der die Corporate Tax berechnet wird.

Ausgangspunkt ist zwar in der Regel der nach IFRS ermittelte Gewinn, anschließend sind jedoch verschiedene steuerliche Anpassungen gemäß dem UAE Corporate Tax Law vorzunehmen.

Dazu können unter anderem gehören:

  • steuerlich nicht abzugsfähige Aufwendungen

  • steuerfreie Erträge

  • besondere steuerliche Korrekturen

  • Anpassungen aufgrund spezieller Corporate-Tax-Regelungen

Erst nach diesen Anpassungen ergibt sich der tatsächlich zu versteuernde Gewinn.

Warum unterscheiden sich IFRS-Gewinn und steuerpflichtiger Gewinn?

Die Rechnungslegung nach IFRS und das Steuerrecht verfolgen unterschiedliche Ziele.

Während IFRS die wirtschaftliche Realität möglichst objektiv abbilden soll, dient das Steuerrecht der Ermittlung der steuerlichen Bemessungsgrundlage.

Dadurch entstehen regelmäßig Unterschiede.

Typische Ursachen sind:

Nicht abzugsfähige Betriebsausgaben

Bestimmte Aufwendungen werden zwar ordnungsgemäß in der Buchhaltung erfasst, dürfen steuerlich jedoch nur teilweise oder gar nicht berücksichtigt werden.

Dazu zählen – je nach Einzelfall – beispielsweise:

  • bestimmte Bewirtungskosten

  • Geldstrafen und Bußgelder

  • einzelne Aufwendungen im Zusammenhang mit verbundenen Unternehmen

Steuerfreie oder begünstigte Erträge

Einige Erträge können nach den Vorschriften der UAE Corporate Tax ganz oder teilweise steuerfrei sein.

Dadurch reduziert sich der steuerpflichtige Gewinn, obwohl diese Erträge im IFRS-Abschluss ausgewiesen werden.

Besondere steuerliche Anpassungen

Weitere Unterschiede entstehen beispielsweise durch:

  • unterschiedliche Bewertungsansätze

  • steuerliche Sonderregelungen

  • Übergangsvorschriften

  • gesetzlich vorgeschriebene Korrekturen einzelner Bilanzpositionen

Warum ist dieses Thema bei Steuerprüfungen besonders relevant?

Im Rahmen von Corporate-Tax-Prüfungen analysieren die Steuerbehörden insbesondere die Herleitung des steuerpflichtigen Gewinns.

Dabei wird unter anderem geprüft:

  • ob sämtliche steuerlichen Anpassungen korrekt vorgenommen wurden

  • ob die Überleitung vom IFRS-Gewinn zum steuerpflichtigen Gewinn nachvollziehbar dokumentiert ist

  • ob nicht abzugsfähige Aufwendungen richtig behandelt wurden

  • ob steuerfreie Erträge korrekt berücksichtigt wurden

  • ob die zugrunde liegenden Unterlagen vollständig und konsistent sind

Unzureichende Dokumentation kann zu Rückfragen, Nachforderungen oder einer intensiveren Prüfung führen.

Welche Bereiche stehen besonders im Fokus?

Bestimmte Bilanz- und Buchungssachverhalte werden besonders häufig überprüft.

Dazu gehören unter anderem:

  • Leasingverhältnisse nach IFRS 16

  • Umsatzrealisierung nach IFRS 15

  • Wertberichtigungen und Rückstellungen

  • Transaktionen mit verbundenen Unternehmen

  • Abschreibungen und Wertminderungen

  • Abgrenzungen von Erträgen und Aufwendungen

Gerade bei komplexeren Sachverhalten ist eine nachvollziehbare Dokumentation entscheidend.

Warum eine ordnungsgemäße Abschlussprüfung wichtiger wird

Mit Einführung der Corporate Tax gewinnt auch die Qualität der Finanzberichterstattung weiter an Bedeutung.

Eine professionelle Abschlussprüfung unterstützt Unternehmen dabei:

  • fehlerhafte Buchungen frühzeitig zu erkennen

  • steuerliche Risiken zu identifizieren

  • die Überleitung zwischen IFRS- und Steuerergebnis nachvollziehbar darzustellen

  • interne Kontrollsysteme zu verbessern

  • sich auf mögliche Steuerprüfungen vorzubereiten

Gut strukturierte Finanzunterlagen erleichtern sowohl die laufende Compliance als auch spätere Prüfungen erheblich.

Wie können Unternehmen ihre Risiken reduzieren?

Unternehmen sollten ihre Finanz- und Steuerprozesse regelmäßig überprüfen.

Empfehlenswert sind insbesondere:

  • laufende Abstimmung zwischen Rechnungswesen und Steuerfunktion

  • vollständige Dokumentation sämtlicher steuerlicher Anpassungen

  • regelmäßige interne Reviews der Finanzberichterstattung

  • frühzeitige Analyse komplexer Geschäftsvorfälle

  • Aktualisierung interner Accounting- und Tax-Prozesse entsprechend neuer regulatorischer Vorgaben

Eine proaktive Vorbereitung reduziert das Risiko von Beanstandungen im Rahmen späterer Steuerprüfungen.

Warum professionelle Beratung sinnvoll ist

Die Verbindung zwischen IFRS-Rechnungslegung und Corporate Tax entwickelt sich in den VAE kontinuierlich weiter.

Professionelle Beratung unterstützt Unternehmen dabei:

  • IFRS-Abschlüsse steuerlich korrekt zu analysieren

  • erforderliche Tax Adjustments ordnungsgemäß vorzunehmen

  • Compliance-Risiken frühzeitig zu erkennen

  • Dokumentationsanforderungen zu erfüllen

  • sich optimal auf Corporate-Tax-Audits vorzubereiten

Gerade bei komplexeren Unternehmensstrukturen schafft eine frühzeitige Abstimmung zwischen Rechnungslegung und Steuerberatung zusätzliche Sicherheit.

Fazit

Der Unterschied zwischen IFRS-Gewinn und steuerpflichtigem Gewinn gehört heute zu den wichtigsten Themen der Corporate-Tax-Compliance in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Unternehmen sollten nicht davon ausgehen, dass der im Jahresabschluss ausgewiesene Gewinn automatisch auch der steuerlichen Bemessungsgrundlage entspricht. Eine korrekte Überleitung, nachvollziehbare Dokumentation und regelmäßige Überprüfung aller steuerlichen Anpassungen sind entscheidend, um Compliance-Risiken zu minimieren und für zukünftige Steuerprüfungen optimal vorbereitet zu sein.

  • Tags
  • Wirtschaftsprüfung

What can we help you achieve?

Stay one step ahead in a rapidly changing world and build
a sustainable future with us.